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Raiffeisen - Wofür steht das heute? (Teil 3)



Ein real-genossenschaftliches Zwischen-Resümee:

Es gibt bereits europäische Staaten, die Genossenschaften einen (kooperativen) „Nachteilsausgleich“ gewähren, die z.B. Genossenschaften allgemein, oder zumindest in einer „Startup-Phase“ steuerlich – oder durch spezielle Förderprogramme - entlasten.

Die derzeitige Situation der „Raiffeisen-Nachfolger“ ist wirklich nicht einfach. …

Sie beziehen die Mehrheit ihrer Einnahmen – was viele „Gutgläubige“ nicht wissen - aus Bereichen,  die vor extrem großen Veränderungsdrücken stehen (Banken, Versicherungen, Kunstdünger, etc.), sondern auch am „Tugend-Image“ der „netten Genossenschaftler“ erheblich kratzen. …
Ökologische und andere innovative Gründer werden sich nicht lange von „Genopreneurship“ blenden lassen, sofern sie mit Genossenschaftsgründung mehr verbinden, wie nur den persönlichen Vorteil. …

Es wäre also – im Interesse des gesamten deutschen Genossenschaftwesens gut, wenn die „Raiffeisen-Nachfolger“ sich – zügig nach den „Jubelfeiern“ mit deren eigenen (kooperativen) Umbau-Lösung“ befassen.

Bei dem bevorstehenden „Konzern-Umbau“ werden (vermutlich nicht positiven) Nachrichten die Öffentlichkeit aufhorchen lassen, die das gesamte Genossenschaftswesen erneut schwächen könnten.
Dies gilt besonders, weil die „Raiffeisen-Nachfolger“, sich gern als „Deutschland-Sprachrohr für Genossenschaften“ ausgeben.
Wer sich soweit zum „Fenster“ hinauslehnt, sollte sich seiner besonderen Verantwortung wohl bewusst sein.

Denn:

Schon jetzt schwächelt das deutsche Genossenschaftswesen – im europäischen Vergleich gesehen – erheblich.
Während in anderen Staaten jährlich ein erheblicher Zuwachs an neuen Genossenschaften geschieht, sind die Zahlen für Deutschland geradezu „peinlich“ gering.   

Dazu einige kurze Erläuterungen:

·         Im Bankenbereich stehen Veränderungen bevor, die noch als „Verschlusssache“ in den Schreibtischen der obersten Führungsetagen liegen. So etwas bereitet sicherlich starke Kopfschmerzen. Die Frage ist erlaubt, ob es in näherer Zukunft überhaupt noch den Beruf „Bankkaufmann“ geben wird, oder ob es noch Banken der jetzigen Ausformung bedarf?

·         Aber vom stetigen „weiter so“ lebte bisher z.B. die Akademie Montabaur geradezu „fürstlich“. Interessant ist, dass sich die Akademie Montabaur (ADG)  bereits beginnt, neu zu orientieren. Unter www.adginnovation.de ist das deutlich zu sehen. Dort beginnt man, ein „Herz für Startups“ zu finden. Man kreiert das Gründer-Konzept  „Genopreneurship“. Das ist eine „kooperativ getünchte“ Variante von dem, was Prof. Faltin (Berlin) als „Entrepreneurship“ bezeichnet. Was wäre – in dieser Sichtweise – neu? Nicht viel. Nur, dass jetzt mehrere „Entrepreneure“ den Start gemeinsam beginnen.
·         Das Problem beim „Genopreneurship“? Einen Startup in Genossenschaft lediglich über die „Gründerzahl“ zu definieren, ist einfach nur „kindisch“ in einer Zeit, in der man beginnt, darüber nachzudenken, dass „Gründer“ mehr „Folgenbeurteilung“ für ihren Startup übernehmen müssten. Während Faltin verstärkt auf einen „Social Entrepreneurship“ orientiert, ist zu hoffen, dass „Genoentrepreneure“ sich einer (ganzheitlichen) „Folgenbeurteilung“ bewusst werden, wie sich das z.B. beim Konzept „Entredonneurship“ darstellt (ein Mix von nehmen und geben).
·         Und wenn nicht? Dann haben wir es zwar immer noch mit einer Genossenschaft zu tun, aber eine, die nur wenig Kraft hat und kaum zum Vorbild diente, für eine Gesellschaft, die nach mehr Kooperation strebt.
·         Das Konzept „Genopreneurship“ könnte – sofern es gesamtgesellschaftliche bzw. gesamtwirtschaftliche (Folgen-) Reflektionen beinhaltet - durchaus ein zukunftsfähiges Beispiel für einen kooperativen Wandel der Wirtschaft sein. Dann wären wir an dem Punkt angelangt, über das hinauszugehen, was Herr Raiffeisen so treffend - aus der Sicht von damals - niedergeschrieben und angeschoben hat. Heute würde er es vielleicht moderner als „Geno-2.0“ bezeichnen wollen  

·         Die ländlichen Räume, also die Gemeinden, haben mit dem Thema „Landflucht“ zu tun. Die jungen Generationen verlassen „scharenweise“ diese Regionen und drängen in die Oberzentren. Ähnlich der Zeit von Herrn Raiffeisen, als er gegen – natürlich dramatischere Zustände in den ländlichen Gebieten – das „Konzept Genossenschaft“ als Lösung anbot, wäre auch heute eine kooperative Problemlösung – vielleicht sogar eine Art „Bewegung“ nötig, um neuzeitliche Antworten auf Probleme der Dörfer und Gemeinden zu finden. Statt, wie zu Raiffeisen Zeiten, der „Kredit-Wucher“ zu lösen war, und Kreditvereine (Genossenschaften) entstanden, könnten die heute notwendigen Antworten „Bürgergenossenschaften“ heißen. Wie aktuell ist doch der Ruf von Raiffeisen: „Was einer nicht Einzelne nicht schafft, schafft die Gemeinschaft“. Sicherlich, es gibt bereits „Bürgergenossenschaften“. Sie sind jedoch oftmals (noch) zu sehr auf die (soziale) „Mangelverwaltung“ orientiert. Warum eigentlich nicht heute – analog der Raiffeisen-Idee - eine Art „Bürgergenossenschafts-Bewegung“ erzeugen?! Selbsthilfe und Selbstorganisation kann nicht historisch „konserviert“ werden, sondern ist ständig weiterzuentwickeln. Wenn das „Raiffeisen-Jahr“ eine solche Botschaft aussenden würde, hätten die ausgegebenen – wahrscheinlich im Millionen-Bereich liegenden – Euros sogar durchaus Sinn gemacht. …

Zusammenfassung

Trotz aller Vorbehalte, die nicht nur vereinzelt erklangen,  sollten wir den Initiatoren dankbar sein, für ihre Bemühungen.
Sie haben es geschafft, dass das Thema Genossenschaften großartig in die Öffentlichkeit gekommen ist. Wir möchten deshalb gern alle Kritiker aufrufen, mit Kritik zurückhaltender zu sein.
Stattdessen sollte sich Jede/Jeder Person mit „kooperativen Überzeugungen“ bemühen, eine Sichtweise von „jetzt erst recht“ einzunehmen.
Dabei sollte auch bedacht werden, dass man es durchaus schaffen kann eine „Kampagne“ in ganz andere Richtungen intelligent „umzulenken“, z.B. in Richtung von Modernen Genossenschaften. ...
Die „Raiffeisen-Nachfolger“ haben dazu eigentlich gute Vorarbeit geleistet. …

Also gut, nehmen wir z.B. an, die „Westerwälder Erklärung“ wäre irgendwie zu „oberflächlich“ oder gar in die falsche Richtung weisend.
Was hält Gruppen - mit einer anderen Sichtweise – eigentlich auf, eine sensibilisierte Öffentlichkeit mit anderen Sichtweisen zu informieren? Das ist zumindest intelligenter und wertvoller, wie jede Art von Kritik. …

Schon „sticht“ das Argument (potenzieller Kritiker) einfach nicht mehr, man habe dafür keine ausreichenden Mittel. …
Dieser Mittel bedarf es eigentlich auch nicht mehr, denn die Vertreter der „Westerwälder Erklärung“ haben bereits gute Vorarbeit geleistet.
Sie hatten genug Geld und das haben sie – auch im Interesse der Kritiker „gut“ ausgegeben. Das wollten die Initiatoren zwar eigentlich nicht, konnten aber eine „Umwidmung“ auch nicht vermeiden …

Bei näherem Hinsehen, könnten „Kritiker“ sogar eine „Schir1mherrschaft des Bundespräsidenten“ für die Feierlichkeiten der „Raiffeisen-Nachfolger“ entspannt akzeptieren. Der Bundespräsident wird – egal was er sagt – sich nicht von den „Raiffeisen-Nachfolgern“ einvernehmen lassen können. Er wird es schon schwer genug damit haben, die Leistungen der „Raiffeisen-Nachfahren“ zu loben. Wer die bisherigen Äußerungen des „Schirmherrn“ verfolgt, sieht bereits wie er versucht, den „Spagat“ hinzubekommen, in der aktuellen „Raiffeisen-Nachfolger-Politik“ zu erkennen, dass dort etwas wirklich Wertvolles oder gar Neues zu erkennen wäre. Deshalb bleibt ihm eigentlich nichts anderes übrig, wie – ganz allgemein - das „Genossenschaftswesen“ zu loben. …

Die Zukunft heißt „kooperativer Wandel“ – ob mit oder ohne „Raiffeisen“.

Man erkennt – sofern man bereit ist genauer hinzuschauen – klar und deutlich:

·         Die – selbsternannten - Nachfolger von Herrn Raiffeisen sind nur schwer in der Lage, die Meinungs-Führung für einen genossenschaftlichen Wandel zu vollziehen. Sie werden noch eine Weile so tun, als ob sie es könnten. Aber immer mehr wird deutlich sein, dass ihre innere Situation (der sog. „Konzern-Blick“) es nur - ganz schwer und in viel zu engen Bahnen - ermöglicht, sich innerlich wirklich – zeitnah und glaubwürdig - zu erneuern. Das wird in den nächsten Jahren immer deutlicher erkannt werden.
·         Zugleich vollzieht sich eine – unaufhaltsame, wenn auch erst schwer auszumachende – Veränderung im „Gesamt-Bewusstsein“ der Menschen. Sie werden bald erkennen, was wirklich „Miteinander“ ist oder ob nur so getan wird, sozusagen „Miteinander“ als PR-Konzept zu verkaufen. (Das Schließen von Bankfilialen in unzähligen Dörfern und Gemeinden als „Kooperation“ zu „verkaufen“, kann einfach – beim einem veränderten Bewusstsein nicht gelingen) …
·         Umfragen zeigen bereits deutlich: Immer mehr Menschen lieben „Miteinander“. Schon jetzt sind das – stabil – weit mehr als die Hälfte der Bürger in unserem Lande. Kaum vorstellbar, dass sie „Miteinander mögen“ und gleichzeitig es gut finden, dass man die Geldversorgung der Dörfer schwächt, mit noch mehr Kunstdünger die Trinkwasser-Qualität schwächt oder Gemüse, Obst, Wein, Feldfrüchte mit ständig steigenden Mengen belegt. Auch in der Viehwirtschaft wird über erhebliche Veränderungen nachgedacht … Aber das sind genau die Themen, mit denen die Raiffeisen-Nachfolger (noch) ihre enormen Erträge erwirtschaften, mit denen sie damit dann „Feiern“, PR-Agenturen, hohe Verbandskosten und überdurchschnittlich hohe Vorstandsgehälter in den Verbänden finanzieren. Und das alles reicht dann noch nicht einmal aus, um moderate Prüfungsgebühren für Genossenschaften zu schaffen …

Deshalb kommt es jetzt darauf an – möglichst im europäischen Kontext der Genossenschafts-Entwicklungen – (durchaus auch verbandliche) Alternativen aufzubauen, die strikt Kurs auf „kooperative Modernisierung“ nehmen, sozusagen den „Genossenschaften-2.0“  in Theorie und Praxis „Wege frei“ zu machen . Dazu gehört auch ein deutliches Bekenntnis, dass  Genossenschaften der Wegbereiter sind, eine Gesellschaft des „Miteinanders“ aufzubauen. …

Ob Bewegungen, wie z.B. „CoopGo“,  „WeCom“ oder andere – das Raiffeisen-Jahr  nutzen können, neue Impulse für ein „Neues Genossenschafts- und Kooperationsdenken“, wäre zu wünschen. Zu wünschen wäre aber auch, dass sich solche oder ähnliche Bewegungen  – trotz vielleicht durchaus unterschiedlicher Ansätze -  befähigen,  intensiver zu kooperieren.

Wie wäre es, wenn man damit begänne, gemeinsam für ein „Genossenschaft-Parlament“ oder/und einen „KooperationsRat“ einzutreten?!

Warum?

Dann können alle Medien, Politiker, Genossenschaften, Mitglieder – und noch „Unentschlossene“ - selbst erkennen um welch bedeutsame Weichenstellung es jetzt und warum gehen muss. Es geht um nicht mehr, aber auch nicht weniger um:

„Wollen wir jetzt in unserem Lande mehr „Miteinander“ oder weiterhin das bekannte „Gegeneinander?“

Der Weg dahin wird „steinig“ genug, aber wir müssen irgendwann „aufwachen“ und „mündig“ werden, genau diese Frage auf der Tagesordnung zu halten. … 

(Gern können Sie „CoopTransform“ Ihre Fragen zusenden (info@CoopGo-Transform). Wir werden unsere Antworten – möglichst zeitnah - entweder einzeln oder innerhalb eines gleichen Themenkomplexes veröffentlichen. CoopGo-Transform unterstützt die kooperative Bewegung CoopGowww.CoopGo.de  )



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